2008 Marokko Solo

Nicht zum ersten Mal reise ich nach Marokko, aber dieses Mal wird es zum ersten Mal alleine nach Marokko gehen. Somit stehen alle Vorzeichen anders.
Der Abend steckt mir gar nicht einmal so in den Knochen, denke ich morgens beim Aufwachen. Dank der Taucheruhr, welche ich für die Reise in der Bucht ersteigert habe (auf der Regenfahrt zwischen München und Belfort gab sie den Geist auf), weiß ich auch nicht, wann das Gelage geendet hatte. Aber gut wars und im Geiste höre ich noch immer den Rock erdig wummern und die Rips auf dem Riesengrill brutzeln.
"Auf dem Campo"

„Auf dem Campo“

Alea iacta est

Noch stärker aber ruft mich die Piste. Schon der Track vor dem Gartenzaun lässt nicht nur die Stollen meiner Desertreifen mit den Hufen scharren. Ich packe also meine Sachen zusammen und schon als ich die Tür zum Garten öffne, prahlt die andalusische Sonne von den tollen Tagen, die mich auf dem Weg in den Süden erwarten. Es dauert nicht lange und die Dicke ist bepackt. Der Abschied zieht sich, aber irgendwann brüllt der Zweizylinder auf, und im Rückspiegel sehe ich noch die winkende Truppe um Don Klauso, während mich meine Staubfahne die Piste entlang bis zur Straße nach Tarifa begleitet. Sicher komme ich irgendwann wieder…
Doch wie bin ich alleine hier herunter gekommen? War der Plan in diesem Jahr 2008 nicht ein völlig anderer gewesen? Das Leben schreibt die aufregensten Geschichten, sagt man, und so war es auch dieses Mal. Statt zu Zweit startete ich also alleine. Zusammen sollte es nach Afrika gehen. Die Motorräder waren fit gemacht, der Urlaub und die Reisepläne standen. Warum also dies alles nun in den Wind streichen? Da traf es sich goldrichtig, dass Don Klauso auf den Campo vor der Toren Malagas zum Erntedankfest geladen hatte. Hier wollte ich denn auch die Entscheidung treffen, ob es auch solo nach Afrika gehen wird. Seit ca. 11:30 bin ich unterwegs und genieße das Wetter. In der Nacht hatte es noch geregnet,  die Luft ist klar. Gemütlich cruise ich die 150 km weiter nach Tarifa, genieße den Nachmittag am Strand und schwimme mit den Wellen um die Wette. Erst als der Himmel verdächtig dunkel wird, laufe ich zurück auf den Zeltplatz „Rio Jara“ bei Tarifa und spanne alles, was die Leinen hergeben. Ich denke, da kommt was Dickeres… Nachdem ich gekocht habe (der Himmel hält noch dicht), schnappe ich mir die Kopflampe und jogge am Strand entlang. Etwas Bewegung kann nicht schaden und bei der abendlichen Runde wird mir auch klar, dass ich morgen auf die Fähre nach Tanger steigen werde. Erst als ich im Zelt liege, eine Email via Handy geschrieben habe und langsam „rüber rudere“, öffnet der Himmel seine Pforten. Wie gewohnt hält das Vaude Zelt aber dicht.cafecentralTarifa
Nachdem ich am Schalter der Fähre ein Ticket erstanden und noch gut eine Stunde bis zum Verladen Zeit habe, setze ich mich auf ein letztes spanisches Frühstück ins Café Central in der Nähe des Hafens. Während der frisch gepresste Orangensaft meine Vitaminbank auffüllt, schreibe ich rudelweise Karten. Auch einen Briefkasten finde ich noch, und keine Stunde später gehe ich in Tanger an Land. Die Imigration ist schnell erledigt, und ausnahmsweise hatte ich den Agenten gegenüber nicht für ihre Hilfe zu zahlen. Somit sind wir quitt, denn sie haben versprochen „no Money“ zu verlangen. Ich hatte kaum damit gerechnet, dass ich darauf zählen konnte.
HafenTanger 2008

Marokko

Der Tag will genutzt werden und ich möchte so tief wie möglich in den Süden kommen. Viel Zeit habe ich bereits in Spanien gelassen, deshalb nutze ich zum ersten Mal die marokkanische Autobahn. Die ist wirklich sehr gut; ich komme schnell voran. Der noch in Tarifa gefasste spanische Sprit verlässt mich allerdings kurz vor Casablanca und so bin ich gezwungen, schon in Mohamedia das Asphaltband zu verlassen. Wenn ich bisher auf allen meinen Reisen den Verkehr von Biarritz als am Schlimmsten empfunden hatte – dieser hier ist die absolute Krönung. Es ist Feierabendverkehr und weil Ramadan, will jeder so schnell wie möglich nach Hause, denn es lockt ein Essen mit der Familie und Freunden. Jeder scheint beim Fahren das Messer zwischen den Zähnen zu haben. Die Lkws stoßen schwarze Wolken aus, als ob sie mit einer Sonnenfinsternis konkurrieren wollen und der vorgeschriebene Minimalabstand der verschiedensten Verkehrsteilnehmer scheint ungefähr eine Handbreit zu betragen – also genau mein Ding. Nachdem ich getankt habe, „kämpfe“ ich mich wieder zur Autobahn durch, finde aber keine Auffahrt. Shit! Da die Stadt  anscheinend übergangslos in Casablanca übergeht, stehe ich plötzlich vor der überwältigenden Moschee Hassan 2.
moschee-hassan-2-casablanca
Das Gebäude ist wirklich beeindruckend. Ich mache mich direkt auf die Suche nach einem Campingplatz, um mir diesen Ort später noch einmal auf Schusters Rappen anzusehen. Leider ist das aber eine unlösbare Aufgabe, denn ohne einen vernünftigen Reiseführer (habe ich alle zu Hause gelassen) ist kein Platz zu finden und mein Arabisch ist nicht nur eingerostet, sondern schlichtweg nicht vorhanden. Nachdem ich die Küstenstraße zigmal abgefahren bin, gebe ich die Suche in der Dunkelheit auf und checke im Hotel Belle Rive ein. Hoffentlich gewöhne ich mich nicht an den Komfort.
Der erste Blick auf das Hotel Belle Rive

Der erste Blick auf das Hotel Belle Rive

Der Blick aus meinem Zimmer aufs Meer

Der Blick aus meinem Zimmer aufs Meer

Schlussendlich bleibe ich aber dann doch noch im Hotel, schaue TV, esse gemütlich auf dem Balkon mit Sicht auf das Meer und die Lichter der Stadt und genieße es, im Trockenen zu liegen, während draußen mal wieder der Regen den Staub des Sommers abwäscht. Dann kann ich noch 2 Minuten nach Hause telefonieren und sende eine Email hinterher. Ich liege noch ’ne ganze Zeit lang wach – die 387,6 km des Tages haben zwar ordentlich geschlaucht, aber ich sinniere darüber nach, ob es einen Sinn macht, nach Marokko gefahren zu sein. Mach ich das für mich? Hier in Afrika zeigt sich nun wirklich, was es heißt, solo unterwegs zu sein. Das fängt bei Stopps zum Shoppen und Ansehen an und hört bei der Schlafplatzsuche noch lange nicht auf. Schließlich ist auch die Wahl der Strecke abhängig davon, ob man mit mehreren reist oder alleine. Eine Panne oder ein Unfall in der Einsamkeit der Wüstenpiste sind da schon andere Qualitäten, und so wird dieses Mal die Sicherheit von Mann und Maschine ein oft gefragter Ratgeber sein. So werde ich, was ich an Marokko so interessant finde, in der verbleibenden Zeit kaum schaffen… und der Sahara höchstens auf die Wange küssen.

Marrakesch

In der Nacht reift der Entschluss, als nächstes zum Hotel Tazi nach Marrakesch zu fahren. Dieser Schlafplatz ist mir recht, die Dicke steht sicher in der Garage (wie hier), und zu Fuß kenne ich mich aus und kann ganz nach meinem Geschmack durch die Medina schlendern. Der starke Regen auf der Autobahn durchnässt mich zum Glück nicht und in Marrakesch begrüßt mich die Sonne. Im Hotel ist seit meinem letzten Besuch viel erneuert worden. Die Garage ist einem Neubau gewichen und ich parke die Dicke in einer stockfinsteren Tiefgarage… Dann geht’s ab in die Medina. Ich kaufe Gewürze, Tuch, eine Teekanne sowie eine Sonnenbrille . Die ~300 Autobahnkilometer des heutigen Tages haben schließlich noch viel vom Tag übrig gelassen. Ich kaufe kräftig ein und mache Fotos wie wild. Schön, wenn all diese Fotos nun auch diesen Bericht zieren könnten, aber dazu später mehr. Natürlich esse ich wieder einmal auf dem Djemma el Fna köstlich.Übrigens besagen die aufsteigenden Nummern der Stände auch etwas über die dargebotene Qualität. Liegt der Touristenpolizei eine Beschwerde über einen Stand vor, rückt er weiter in die höheren Zahlen, bis er vom Platz fliegt, sagt man.

Immer lecker auf dem Djemma El Fna

Obwohl noch bis spät nachts überall gefeiert wird und ich kein Auge zu machen kann, weil es mega warm ist, stell ich den Wecker des Handys auf 5:45. Schließlich will ich weiter kommen. Ich wundere mich dann aber doch, als ich gegen 6:15 in der Lobby stehe und alles in der Dunkelheit schläft. „You want to Leave? Now?“ werde ich gefragt und ich bejahe das resolut. Wenn die Jungs bis in die Puppen feiern können, können Sie auch morgens fit sein, denke ich und zahle vergnügt. Dann geht es raus aus der Garage und durch den stockfinsteren Morgen über menschenleere Straßen gen Fes…. Die Rosenblüten, mit denen meine Dicke zuvor zum Abschied geschmückt wurde, flattern dabei im Fahrtwind.

Die bekannte Strecke genieße ich 475 km lang. Besonders die marokkanische Schweiz (Isfane) hat es mir angetan und ich frage mich kurz danach, was mich weiter getrieben hat und warum ich nicht auch hier einen Tag verbracht habe, denn das Wetter spielt mit und ich habe viele Blicke für die Landschaft übrig. So hole ich auch immer wieder den Fotoapparat hervor und knipse, was das Zeug hält. Beim Fahren überlege ich immer wieder, ob die Strecke die richtige Wahl ist, denn eigentlich wollte ich doch das Dratal wiedersehen und Ksa Sania einen Besuch abstatten….In Fes suche ich lange nach dem Zeltplatz, denn ich bin auf der „falschen“ Seite der Stadt rein gekommen. Weil ich mich aber erinnere, dass der Camping International de Fes am Center Sportif liegt, finde ich zu guter Letzt nach dem MC-Donald auch den Platz wieder. Zuvor filme ich noch mit der Helmkamera meinen Einkauf im freundlichen „Supermarkt“, wie gestern die Kilometer durch die Souks von Marrakesch.Der Zeltplatz war bei meinem letzten Besuch schon nicht wirklich einladend, dieses Jahr ist es nicht verführerischer geworden. Dabei ist außer mir nur noch ein Paar aus MK mit seinem VW-Bus da. Erst morgens am 25.9. kommen wir aber dazu, etwas zu quasseln und tauschen Erfahrungen aus. Die beiden empfehlen mir den marokkanischen Ballermann östlich von Nador zur algerischen Grenze hin, und ich entscheide kurzfristig, doch nicht weiter in den Süden nach Source Bleu de Meski zu fahren, sondern Guarcif anzusteuern. Ich gebe der ST also die Sporen, und unter dem Ballern des Arrow katapultiert mich meine treue Gefährtin weiter durch die Landschaft.

Die teuerste Postkarte der Welt

In Tadert fällt mir dann wieder die Postkarte für meine Mutter ein, die ich noch vom Djemma el Fna in der Tasche habe und ich steuere die Post an, nachdem ich wenige Kilometer zuvor noch eine Gruppe Esel am Straßenrand fotografiert habe.

"Manchmal verliert man - Manchmal gewinnt ein anderer..."

„Manchmal verliert man – Manchmal gewinnt ein anderer…“

Dass ich hier wesentlich mehr als die „teuerste“ Postkarte meines Lebens loswerde, ahne ich noch nicht… In der Post ist die Welt noch in Ordnung. Ich bitte um eine Briefmarke nach Deutschland für die Karte und ein kurzes Gespräch entsteht. Als ich die netten Postbeamten verlasse und wieder ins Freie trete, denke ich, die Love Parade zieht durchs Dorf. Auf der anderen Straßenseite springt ein Einheimischer auf und ab und zeigt an mir vorbei in die Pampa. Als mein Blick magisch gesteuert auf meinen Tankrucksack fällt, steigt mein Blutdruck sofort an. Der Reißverschluss ist offen und meine Basecap hängt halb heraus. Die Helmcam hängt am Lenker, aber die Kabel baumeln verloren am Tank herunter. Scheiße! Eigentlich sollten die Strippen im Archos-Player stecken, aber der ist zusammen mit den Dieben auf der Flucht in guter Gesellschaft mit meinem Teleobjektiv und der Oakley-Sonnenbrille. Grrrrrrrrr…*’#*%“!+*~~’# Somit sind dann wohl auch alle bisher entstandenen Filme auf und davon.

Ich stürme zurück in die Post und rufe hinein, dass ich bestohlen wurde. Als ich die Zylinder der Ténéré flute, um die Verfolgung aufzunehmen, springt auch schon mein „Informant“ auf. Zusammen erleben wir auch die Ténéré richtig wütend, als wir seinen Richtungshinweisen folgend in die Hinterhöfe Taderts brechen. Unter die Stollen der Deserts (meine Fantasie geht viel weiter) können wir die Halunken aber leider nicht nehmen. Die Gangster sind laut meinem „Informanten“ mit einem Mofa ab durch die Mitte und trotz der harscher Hatz können wir sie nicht mehr aufspüren.

Als ich wieder an der Post stehe, ist der halbe Ort zusammengelaufen und leidet wirklich mit mir. Während einige Leute noch in den Hinterhöfen unterwegs sind, um die Diebe zu fassen, ärgern sich andere lautstark über die Ortsfremden, welche nun den Namen dieses Ortes in den Dreck ziehen. Mit dem Postbeamten ist die Verständigung mit meinem rudimentären Französisch am besten möglich. Ich breche nach seinen Hinweisen auf, um in Garcif Hilfe bei den Gendarmen zu finden. Die 25 km sind trotz ellenlanger Baustelle mit 30 km/h Piste schnell rum, und auch die Gendarmerie ist sofort gefunden. Nach rund zwei Stunden befiehlt der Chef die „General-Mobilmachung“, und mit zwei Kollegen geht es hochgerüstet auf zum Ortstermin. Dieses Mal flattere ich auf meiner Ténéré nur so hinter dem Gendarmeriefahrzeug her, das mit knapp 130 km/h zum Ort des Verbrechens stürmt. Der freundliche Postbeamte wie ein weiterer Augenzeuge stehen schon bald zur Befragung bereit und helfen, was das Zeug hält. Dabei werde ich auch darauf hingewiesen, dass meine Zeitangaben nicht stimmen können. Hier ist es gerade einmal halb vier, während ich angegeben hatte, um 17:00 bestohlen worden zu sein. Shit – ich hatte die Zeitumstellung völlig vergessen. Jetzt wird mir auch klar, warum im Hotel Tazi noch alles geschlafen hatte… Sorry. Nachdem ich mich für ihre Hilfe wortreich bedankt habe, geht es wieder einmal in Bestzeit zurück zur Station in Guercif. Nach weiteren zig Minuten Befragung werde ich freundlich zum Hotel Milano eskortiert. In dieser Zeit wird das handschriftliche arabische Protokoll in den PC gebracht. Um 20 Uhr stehe ich wieder vor dem Tor der Gendarmerie und werde nach einem leckeren Tee vom Chef zum Colonel gebracht. Hier wird der ganze Fall noch mal besprochen und Optimismus verbreitet. Der Colonel ist sich sicher, „die Diebe zu schnappen“ weil´s ja „sein Job ist“. Deshalb werde ich auch ohne ein Protokoll zu erhalten wieder zum Hotel geschickt. Das Aktenzeichen ist das einzige Mitbringsel für meine Versicherung, welches mich begleitet. Ich schlafe sehr spät ein, während ein angeheuerter Wächter meine Dicke vor der Hoteltüre beschützt. Am nächsten Morgen ist alles beim Alten (zumindest was das Wetter angeht). Es regnet in Strömen. Nu reicht´s aber wirklich langsam… und wieder einmal werde ich durch wirklich nette Menschen versöhnt mit meiner Situation. Der nette Wachmann schenkt mir zum Abschied frische Pflaumen und besteht darauf, nicht mehr als den verlangten Lohn zu erhalten. Ich danke ihm und starte nach einem kurzen Tankstop zur letzten Etappe nach Nador. Zumindest kann auf dem Weg nach Nador sicher nichts heiß laufen. Der Regen schüttet wie aus Kübeln. Die neuen Alpinestars Tech3 sind mal wieder innerhalb kürzester Zeit voll gelaufen und so fahre ich im eigenen Saft. Sandalen hätten Ihren Job genauso erledigt, nur kann da das Wasser auch genau so schnell wieder raus… Die Teile waren ein absoluter Fehlkauf! Da ich aber erst heute so richtig sauer bin auf die Gangster, die jetzt mit meiner Kamera unterwegs sind, brate ich durch bis nach Nador. Möge Alah…..

Back to Europe

Am Hafen ist überhaupt nichts los. Die nächste Fähre kommt erst gegen 16 Uhr und so würde mir nichts anderes übrig bleiben, als mich mit den gelangweilten Agenten vor die Gebäude zu flezen. Nee – dazu bin ich nicht in der Stimmung. Im Kopf werfe ich die Würfel und die fallen auf Melilla. Ruck zuck stehe ich an der quirligen Grenze und ich komme mir vor wie am Checkpoint von Ramallah. Während sich die marrokanische Seite sehr bescheiden präsentiert, ist die 6 m hohe Grenzbefestigung zum spanischen Gebiet martialisch. Die Papiere sind trotz des Trubels schnell abgehakt, und ein paar hundert Meter weiter befinde ich mich auf spanischem Boden. Unglaublich, wie sehr sich dabei auch die Umwelt ändert! An der ersten Tankstelle litere ich den Bauch meiner Dicken mit subventioniertem Sprit und begebe mich in den Hafen.

Im Hafen von Nador

Im Hafen von Melilla

Unmissverständlich weise ich den ersten Agenten darauf hin, dass es bei mir nichts mehr zu holen gibt, aber der zeigt mir trotzdem den schnellsten Weg zum Ticket. Während ich mein Handy an einer Steckdose lade, hat er ein Auge auf meine ST. Er hat wohl verstanden, was ich hinter mir habe und passt umsonst auf… Denkste – als ich mit meinem Ticket die Halle verlasse, hat er eine gute Idee, wie ich ihm, obwohl ohne Dirhams und Kleingeld, helfen kann. Großzügig will er mit meinem verbliebenen 50-€-Schein gegen 13 Euro aus seiner Hosentasche wechseln. An meiner Gesichtsfarbe erkennt er schnell, dass auch gemütliches Beißen auf Granit keinen Spaß macht und trollt sich… besser so! Nach diversen genauen Kontrollen der Guardia Civil steige ich am 26.9.08 auf die Fähre und mache es mir auf dem Deck bequem, während mein Handy das Fotografieren übernimmt. Die Sonne lacht endlich wieder.

Back 2 Europe

Back 2 Europe

Es dauert gar nicht einmal so lange und ein leises Zittern des Decks kündigt an, dass wir in See stechen. Die Kamera meines Handys fängt die letzten Bilder des Hafens ein, der langsam kleiner und kleiner wird. Mein Colorado zeigt mir die Reisegeschwindigkeit mit 30 – 31 km/h an – gähn… Kaum sechs Stunden später öffnet sich die Luke der Fähre in Almeria, und ich starte im Sprühregen zum schönen Campingplatz Tau in San Jose.

Damit ich mich gar nicht erst an Neues gewöhnen muss, bricht der Himmel nach dem tollen spanischen Empfang, und wieder einmal platscht es nur so auf mich ein. Am Cabo spiele ich schon U-Boot und streife mir an der Station der Legion im Lichtschein der Absperrungen meine nunmehr vertraute Gummihaut über.

Klatschnass fallen meine Dicke und ich auf den Platz Tau ein. Mitleidig erhalte ich einen Platz unter einem Dach. So kann ich das Zelt wenigstens im Trockenen aufbauen. Zum Abendessen gibt es Brot aus Fes, Tunfisch in Tomatensoße und den letzten Schluck  Cognac von der Fähre nach Afrika. So lässt sich der prasselnde Regen schon fast ertragen. Im Zelt ist es schließlich trocken und warm. Home sweet home…

Da meine frankophilen Nachbarn mal wieder die Nacht zum Tag gemacht haben, bleibt mir nach der durchwachten Nacht morgens nur die Flucht. Nach ihren lautstarken Gesprächen beim Abbau ihres Zeltes um 6 Uhr morgens ist auch für mich die Nacht rum. Daran kann mich auch das kühle Nass vom Himmel nicht hindern. Während mir das Regenwasser von der Nase tropft, schieße ich ein letztes Abschiedsfoto, klettere auf meine Dicke und kehre auch diesem schönen Platz den Rücken. Gut zehn Jahre ist es her, dass ich hier war und ich freue mich, diesen schönen Ort wiedergesehen zu haben.

Camping Tau

Camping Tau

Das Bollern des Zweizylinders lässt mich jedoch grinsend durch die dicken Pfützen peitschen. Beim Frühstück im Red Fish sagte auch der Blick in „El Pais“ nichts Gutes; außer in La Coruná säuft Spanien wohl gerade überall ab. Also fasse ich Elche als Tagesziel ins Auge. Wieder ein Ort, an den ich gute Erinnerungen habe: Europas größte Dattelpalmenplantage, ein Zeltplatz mitten drin…

Das Wetter bessert sich zunehmend, während die schöne Landschaft an mir vorbei zieht. Trotz der verregneten letzten Wochen schaue ich wehmütig in den Rückspiegel, denn mehr und mehr entferne ich mich vom meinem geliebten Andalusien. Das Regenzeug ist längst wieder verstaut, als ich heute am 27.9.08 in Elche ankomme. Es ist eigentlich viel zu früh am Tage, um zu stoppen, und auch die zig China-Importläden buhlen wohl nur um die Gunst ihrer wiederverkaufenden Landsleute. Die Preise sind allerdings gigantisch gut und so manches als klasse empfundene Geschäft der Vergangenheit zeigt nun erst die Gewinnspanne der entsprechenden Händler auf. Aber nein, trotzdem kaufe ich keinen neuen Hammer für meine Zeltheringe (0,35 €).

Dafür belohne ich mich mit einem Besuch im Decathlon von Elche. Diese Kette übt immer wieder eine magische Anziehungskraft auf mich aus, und dieses Jahr bin ich ausschließlich mit Funktions-Shirts aus diesem Hause unterwegs. Mittlerweile habe ich in  Filialen in Deutschland, Belgien, Frankreich, Spanien, Italien und Ungarn gekauft.

Bei Valencia endet mein Tag am Zeltplatz mit Cous Cous, Fleisch, Tomatensoße und einem guten Schluck Sangria. Das opulente Mahl wird mit einem Nachtisch in zwei Gängen abgeschlossen. Joghurt und – Schokolade. Nach einem Telefonat mit meinem Freund Jörg in Nürnberg sowie sehr netten Emails auf meinem Handy ist es mir schon egal, dass es in der Ferne schon wieder donnert und blitzt. Nach 476,7 km schlafe ich zufrieden ein.

Nach Dauerdonnern und Blitzen in der Nacht kann ich gar nicht fassen, dass ich bei blauem Himmel aus dem Zelt gekrabbelt komme. Die Sonne zwinkert mir zu und ich halte einen Plausch mit meinem polnischen Nachbarn. Auch das nette englische Paar mit dem Wohnmobil wird verabschiedet, nachdem ich mit ihm gestern lange gefachsimpelt habe. Ich wünsche allen eine gute Reise.

Moto Amigos

Ich selber soll aber heute mal wieder nicht weit kommen. In Castelleon „stolpere“ ich über eine Ansammlung von Motorrädern aller Couleur im Industriegebiet. Nachdem ich nur mal kurz daran vorbei fahre, um zu sehen, was hier am Sonntag los sein kann, werde ich auf reinstem Schwäbisch angeschätzt. Zwei Deutschspanier aus ‚Stuggat’ haben sich hier mit einem Motorradladen selbstständig gemacht und heute ist „Tag der offenen Tür“, da gibt’s Freibier und gute Preise. Weil ich noch weiter fahren will und an meinem „Pappen“ hänge, entscheide ich mich für Coke und stöbere im Laden. Mutig gehe ich an den Regenüberschuhen vorbei, um die Reisekasse zu schonen (zu Hause liegt ja ein Satz).

Tauros Motorradshop

Tauros Motorradshop

Vor der Tür komme ich noch mit Manolo ins Gespräch und kann einfach nicht nein sagen, als er mich einlädt, mit zum Paellaessen zu kommen. Mit ca. 20 Motorrädern fahren wir bald los, und nach einem Zwischenstopp beim gerade beendeten Motorradtreffen von Baixa und zig Ehrenrunden durch den Ort, bei denen die Einwohner freundlich winken und grüßen, geht es dann in das Restaurant. Hier darf ich einen besonders schönen Nachmittag unter Freunden verbringen, einige Leckereien probieren und Manolos Leibgetränk Carachillo Aniso testen. Hmmmm lecker! Unter lautem Gejohle verfolgen wir das erste Formel-1-Rennen in Singapur und fiebern alle mit Ferrari.

me Amigos

me Amigos

Nach einer langen Verabschiedung von der netten Truppe bringen mich Manolo und seine Frau noch bis zur Tankstelle, und ich fahre weiter in den Norden. Das Angebot, bei Manolo auf der Feuerwache zu übernachten, schlage ich jedoch aus, denn ich will noch etwas Strecke machen. Der Tag endet nach 267 km in Salou auf einem Riesenzeltplatz unter endlosem Gequassel einer französischen Mädelstruppe. Ich liege dabei frisch geduscht in meinem warmen Schlafsack, versuche mir irgendetwas in die Ohren zu stopfen, um das infernalische Geschnabbel zu stoppen und schlafe irgendwann mit Erinnerungen an meine „Motorradfreunde“ und das leckere Essen ein.

Der neue Tag beginnt mit dem Versuch, nach ausgiebigem Duschen, Frühstücken, Zähneputzen und Zeltabbau einen letzten Sonnenbrand zu ergattern; die Sonne hat heute das Zeug dazu. Ich aale mich deshalb noch ein wenig in ihrem Schein, bevor ich zu einer weiteren abenteuerlichen Etappe aufbreche. Dass mich eine weitere unliebsame Überraschung erwartet, ahne ich noch nicht…

Der Teufel ist ein Eichhörnchen

Das Fahren macht heute mal wieder besonders viel Spaß. Die Dicke rennt unglaublich gut und wir sind quasi eins. Ich freue mich schon darauf, den Pyrenäen näher zu kommen, denn Mann und Maschine lechzen nach noch mehr Kurven. Erneut kündige ich allen Autobahnen der Welt und fahre über kleinste Straßen weiter. Durch Weinberge geht die Tour – links, rechts, links schwinge ich durch die Kurven und das Wetter ist endlich wieder herrlich. So kann der Urlaub klasse ausklingen… Doch was ist das? Das Hinterrad schlingert ein wenig. Habe ich Luft verloren? Mist – so kommt der Kompressor im Koffer doch noch zum Einsatz, denke ich und halte in einer kleinen Sackgasse an, um das zu kontrollieren. Doch die Pelle steht wie eine Eins auf der Felge. Die Stollen des Desert haben nur ein müdes Lächeln für die vergangenen Tausende Kilometer. Doch was kann es sonst sein? Radlager? Nö, auch die sind in Ordnung…

Also weiter inspiziert und was sehe ich? Drei Speichen der neuen Edelstahlspeichen sind gebrochen, und die Nachbarspeichen schlabbern nur so rum. Sch… nee: verdammte Scheixx. Also runter von der Straße in ein Wäldchen, die Dicke zur Vorsicht auf den Hauptständer gepackt und mit Gurten an einem starken Ast gesichert. Zum Glück habe ich (dank der Afrikapläne) alles Nötige dabei. Das Rad ist schnell ausgebaut, und ich sitze in der prallen Sonne, um mit der Arbeit zu beginnen, als es mich dann doch noch eiskalt erwischt. Fünf Reservespeichen für jede Seite habe ich dabei, aber was ich hier sehe, übersteigt alle meine Vorräte. Ganze acht Speichen hat es zerrissen, und daher hat das Rad auch einen nicht unwesentlichen Schlag. Was nu? ADAC? Der hat mir mit Geduld immer zuverlässig geholfen. Dann wäre der Urlaub aber für die letzten Tage noch gestorben, und der gebuchte Autoreisezug am 2. Okt. wäre „für die Katz“… Also nicht verzweifeln und ran an die Arbeit! Ich wechsele von links nach rechts, von oben nach unten, und zum Schluss ist das Rad noch ganz passabel gerichtet, auch wenn immer noch drei Speichen fehlen… War´s das für Andorra? Ist nun der kürzeste Weg zum Zug / zu La Clauze der Weisheit letzter Schluss? Verdammter Mist – ist das ein Urlaub dieses Jahr! „Abenteuer ist nur ein romantisches Wort für Probleme„, hallt es wieder durch meinen Kopf. Grrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr!

Nass geschwitzt stehe ich vor dem montierten und mit allem bepackten Bock, ziehe meine Montur wieder über und hebe die Kiste vom Hauptständer. Lässig kommt Murphy um die Ecke geschlendert und erinnert mich an sein Gesetz: „Wenn irgend etwas schief gehen kann – geht es schief“…

Murphys Law

Murphys Law

Einheimische in der Umgebung von 2-17 km kennen sich ab sofort wohl bestens mit deutschen Flüchen aus. Ich brüll einfach alles raus, während ich versuche, die locker 350 kg hoch zu hieven. Bin ich so schwach geworden? Nach vier Versuchen habe ich es immer noch nicht geschafft und will gerade anfangen, das Gepäck wieder abzuladen. Da sehe ich im Staub unter dem Hinterrad einen dicken Stein. Kaum habe ich das Teil weg getreten, ist auch schon das Aufrichten meiner Holden kein Problem mehr, und nach fünf Minuten und einem halben Liter Wasser befinden wir uns wieder auf der Straße. Ab sofort darf man mich wohl der Joghurtbecher-Fraktion zuordnen, denn ich fahre um jede weggeworfene Zigarettenkippe herum, um die Hinterradfelge zu schonen. Witzigerweise ist das erst das zweite Mal nach 165.000 km mit meiner ST, dass mir Speichen gebrochen sind. Mit keinem anderen Motorrad inkl. meiner Vollcrosser habe ich das je erlebt – aber irgendwann ist ja immer das erste Mal… Ich beschließe, heute bis nach Lloret zu fahren. Der Ort ist mir als Hochburg deutschem Tourismus‘ bekannt, und hier werde ich wohl in Werkstätten auch mit Deutsch weiter kommen. Also ist das Risiko (wenn ich denn soweit komme) hier am Geringsten zu stranden.

Trotz der ständigen Sorge um mein Hinterrad und mit absolut übervorsichtiger Fahrweise komme ich dort gut an. Der Zeltplatz Canyelles schließt morgen für dieses Jahr. So ist auch nur noch ein kleiner Teil des Platzes geöffnet, auf dem ich mein Zelt aufbaue. Nach einer laaaannngen heißen Dusche kontrolliere ich noch einmal das Hinterrad, baue das komplette Gepäck inkl. des Tankrucksacks und der Koffer ab und fahre nach Lloret. Die ganzen Pannen haben meinen Trotz auf den Plan gerufen, und ich habe beschlossen, mir die Tour durch solche Erlebnisse nicht versauen zu lassen. Also her mit dem letzten Abend am Meer für dieses Jahr! Ich parke direkt am Strand, kaufe mir einen Snack und esse gemütlich am Strand liegend keine fünf Meter vom Meer, während der Sternenhimmel leuchtet. Ja – so gehört sich das!

So wie ich den Ort von vor gut 20 Jahren in Erinnerung habe, ist er aber nicht geblieben. Den Horden deutscher Touristen, welche grölend von Disco zu Disco gezogen sind und heimische Speisen mit peinlichem Auftreten verspeist haben, sind nun die Briten gefolgt. Die machen ihre Sache aber auch nicht schlechter, und ich muss unwillkürlich an den in der Türkei verhafteten Marco denken, als ich die aufgetakelten Teenies die Promenade entlang torkeln sehe. Nie könnte ich deren Alter zuverlässig schätzen…

Ich kaufe mir also noch eine Flasche San Miguel als Nachtisch und fahre zurück auf den Zeltplatz. Mit meinen Kumpels, den wirklich sehr seltsam aber nicht hässlich aussehenden Moskitos, trinke ich also gemütlich die Pulle Bier und kann danach sehr gut schlafen. Nun kommen auch die Moskitos zum Zug, die wohl Spaß an meinem promillegestärkten Lebenssaft haben…camp-tossa

Wieder einmal starte ich sehr früh. Nachdem ich meine Sachen gepackt habe, steht auch mein Entschluss für die letzte echte Urlaubsetappe. Ich habe beschlossen, mir nicht meine Pläne durch die Speichen durchkreuzen zu lassen und werde wie ursprünglich geplant über Andorra nach Las Clauze fahren. Wir haben den 30.9.08, und erst am 1.10. geht der Autoreisezug ab Narbonne. Die Nacht vom 31. auf den 1. habe ich ja bei Holger in Las Clauze gebucht, und so habe ich genug Zeit, das „kleine“ Risiko einzugehen, Alpenstraßen zu fahren.

Jezt erst Recht…

Vorsichtig fahre ich eine sehr schöne Strecke über Vic und Ripoll immer Andorra entgegen. Schade, dass ich dieses Jahr gar nicht bei El Carro vorbei gekommen bin…das hole ich aber bestimmt einmal nach. Trotz schönen Wetters bläst der Wind wieder einmal ordentlich kalt, und trotz eingeschalteter Griffheizung bin ich froh, als ich einen leckeren Cafe con leche in einem Restaurant hoch in den Bergen in der Hand halte. Wirklich entspannend ist die Fahrt nicht, immer mit den Gedanken beim Hinterrad. Wäre die Strecke nicht so klasse und das Wetter erfrischend schön, hätte ich bestimmt einen Hals, weil ich die Straße nicht sportlich nutzen kann. Nach 234,5 km lande ich gesund und ohne Probleme am Pas de la Casa in Andorra, wo mich schon niedrige Preise der Tankstellen grüßen.

Einkaufsparadies Andorra

Einkaufsparadies Andorra

Natürlich kehre ich wieder einmal im Hotel Ruiz ein. Zwar unterziehe ich den Ort zuvor noch einer Marktanalyse, denn das, was ich haben möchte, bekomme ich hier wie es aussieht am günstigsten. Auf eine Top-Aussicht mit Balkon… kann ich heute verzichten. Ich habe noch anderes vor. Die Wirtschaft soll doch angekurbelt werden… Nachdem ich mich im Zimmer ordentlich breit gemacht habe, schlendere ich noch durch die Stadt, und neben Mitbringseln für die daheim Gebliebenen kann ich nach Internetrecherche und einer weiteren Marktanalyse im Ort auch den marokkanischen Diebstahl zum Teil kompensieren…

Mit spanischem Schinken, Brot, einem Carachillo Anis… endet der Abend vor dem TV auf meinem Zimmer. Es läuft Starsky & Hutch.

Um 9:30 starte ich aus der Garage des Hotels zu der letzten Verbindungsetappe nach Las Clauze. 177,8 km spurte ich durch die bekannt schöne Landschaft ab. Leider kann ich das Hinterrad nicht wirklich aus meinen Gedanken vertreiben und eiere vorsichtig über die Passstraßen, nicht ohne endlich wieder Fotos machen zu können. Mit meinem Colorado hadere ich etwas, denn es schickt mich über kleinste Straßen wie die D10 durch die Pampa. Normalerweise ist das natürlich total nach meinem Geschmack, aber da ich bei jedem Knubbel auf der Straße zusammen zucke und das Hinterrad so gut wie möglich entlaste, ist diese Strecke doch eine „Sonderprüfung“ für mich. Die Franzosen haben dann auch noch einen Paetschman-Magneten aufgestellt. Am Decathlon kann ich wieder einmal nicht vorbei fahren, und so kaufe ich nach den neuen Trekking-Sandalen aus Elche hier noch ein großes Microfaser-Reisehandtuch zu einem Superpreis.carcassonÜber Carcasson geht es bei strahlendem Sonnenschein zum letzten Übernachtungsplatz dieser Tour. Übernachtungsplatz – der Ausdruck ist natürlich eine Frechheit für Las Clauze. Wieder einmal erwartet mich allerfeinstes Wetter, ein schöner Platz für meine Dicke und mich und ein Abendessen, das alles Dagewesene dieser Tour toppt. Whow – was habe ich die letzten Male mangels einer frühzeitigen Reservierung verpasst! Das passiert mir wohl nicht noch einmal. Das nächste Mal werde ich wohl auch noch eine Übernachtung im Haus drauflegen.

La Clauzes

La Clauzes

Es wird ein wirklich netter Abend in der großen Runde der anwesenden Zweiradfahrer. Die setzen sich zu fast 100% aus der Boxerfraktion zusammen und erzählen mir, dass der Autozug morgen nicht in Narbonne starten wird. Was ich zuerst für einen saudummen Scherz halte, entpuppt sich aber nach einem Anruf beim DB-Service als Realität. Ich kam zwar nicht in den Genuss, wie einige andere via SMS oder Anruf informiert zu werden, aber die gut aufgelegte Mitarbeiterin der Bahn versichert mir, eine Email gesendet zu haben. Klasse, die denken echt mit! Hilft mir natürlich total, dass ich die Email nun zu Hause habe! Grrrrr die x-te! Den Frust spüle ich noch mit einem vorzüglichen Rotwein herunter und rolle mich in die Pooftüte, während sich der Sternenhimmel über meinem Zelt ausbreitet…

Um heute nicht auch noch das Letzte zu riskieren, fahre ich dann ab Beziers doch noch auf die Autobahn, um die letzten 182 km nach Avignon pannenfrei zu bewältigen. Augen für die Strecke habe ich kaum noch, denn die Sorge vor einem Bruch der verbliebenen Speichen sitzt mir im Kopf. Dank des Colorado finde ich den Bahnhof sicher und kann auch noch einen verirrten 1200 GS-Treiber auf den „rechten Weg“ bringen. Die Aussage der Bahn, dass alles ausgeschildert ist, wird schnell als Witz entlarvt. Ohne Navi – keine Chance. Am Bahnhof treffe ich dann auch noch ein Paar der Las Clauze-Truppe wieder, und wir erzählen weiter Travellergeschichten, bis der Zug mit einstündiger Verspätung wahrhaftig losfährt. Wir waren erst beruhigt, als die Motorräder verladen waren, hatten wir doch befürchtet, schlussendlich vielleicht noch ganz draufgesetzt zu werden. Streik in  Frankreich hat eben eine lange Tradition…

Ich leiste mir im Bordrestaurant noch einen Rotwein und ein Essen und bekomme das Essen auch noch vor der Ankunft. Nach ein bisschen Smalltalk verziehe ich mich dann in die Koje, um den Kampf gegen die Schlaflosigkeit der Fahrt aufzunehmen. Um 3 Uhr wechsele ich wieder ins Bordrestaurant, weil ich mich hier zumindest ausstrecken kann, wo keiner schnarcht und wo noch Sauerstoffanteile in homöopathischen Dosen in der Luft sind. Um 6:30 wechsele in wieder in die Koje und erlange endlich etwas Erschöpfungsschlaf. Um 9:30 spuckt mich der Zug in Düsseldorf aus, und im Regen fahre ich die letzten Kilometer nach Hause. Als ich sehe, dass es in Wuppertal nicht regnet, wird mir alles klar – Klimakatastrophe! 🙂

Home Sweet Home

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